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".... dann sah er die zwei Gestalten, die mühsam auf ihn zukrochen - die alte Frau und das kleine, zottige Ding. Das Weib richtete sich unter Auferbietung aller Kräfte in eine knieende Stellung und verschränkte die Arme auf merkwürdige Weise, während Brown Jenkins mit seiner schrecklich anthropoiden Pfote, die er mit offensichtlicher Anstrengung hob, in eine bestimmte Richtung deutete. Von einem unerklärlichen Impuls getrieben, schleppte sich Gilbert ein paar Schritte vorwärts in der von den verschränkten Armen des alten Weibes und der Pfote des kleinen Ungeheuers angedeuteten Richtung, und bevor er drei Schritte getan hatte, befand er sich wieder in den zwielichtigen Abgründen. Geometrische Figuren tanzten um ihn herum, und er fiel in schwindelnde, unendliche Tiefen. Schließlich erwachte er in seinem Bett in dem seltsam winkligen Dachzimmer des unheimlichen Hauses."
>>> Wen würde es da nicht gruseln, beim Tanz der geometrischen Figuren ?? Meiner Ex-Freundin jedenfalls nicht, denn als ich ihr einst solches vorlas, schlief sie selig ein. Genau dies ist der interessante Punkt beim ko(s)mischen Horror des H.P.L., der gerade deswegen so interessant ist, da er einfach nicht funktioniert.
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Zu den bekanntesten Geschichten
Lovecrafts, der das Schreiben im Alter von vier Jahren aufnahm, zählen:
"Celephais", "The cats of Ulthar" (Die Katzen von Ulthar), "The doom of Sarnath"
(Das Verderben, das über Sarnath kam), "Iranons quest" (Iranons Suche), "The nameless
city" (Die Stadt ohne Namen), "Arthur Jermin", "The strange house in the mist"
(Das merkwürdige, hochgelegene Haus im Nebel), "Dreams in the witchhouse" (Träume im Hexenhaus),
"Pickmann's Model", "The music of Eric Zann" (Die Musik des Erich Zann), "Red Hook horror"
(Das Grauen in Red Hook), "The whisperer in the dark" (Der Flüsterer im Dunklen), "The Dunwhich horror"
(Das Grauen von Dunwich), "The call of Cthulhu" (Cthulhus Ruf), "A Shadow out of time"
(Der Schatten aus der Zeit), "At the mountains of madness" (An den Bergen des Wahnsinns).
Sie sind in Deutschland allesamt bei Suhrkamp zu erhalten.
| Man sieht selbst: Merkwürdiges
Grauen und Verderben allerorten, und dies schon in den Titeln.
Heißt es bei Poe etwa nur "The black cat", würde es bei Lovecraft in etwa heißen: "Die grauenvoll stinkende, verderbensbringende, unheilvolle Katze, aus böser Absicht in die Wand gemauert". Von Subtilität ist H.P.'s Prosa etwas entfernt, doch ihr Reiz liegt in etwas anderem begründet. Dem ständigen, adjektivlastigen Vorwegnehmen dessen, was eigentlich Kern und Ziel des horrifizierenden Effektes sein müsste (und der Zerstörung dieses Effektes), steht sein ureigenster phantastischer Kosmos gegenüber, ein Pandämonium skurrilster Gestaltungen der Groteske, die das Faszinosum Lovecraft ausmachen. Paradoxerweise glaubte Lovecraft, dass das Talent zum Bildhaften ihm völlig abginge. Zentrales Thema ist stets und immer wiederkehrend die Dekadenz, die Angst vor Entartung und Niedergang. Vor diesem Hintergrund sind die geradezu obsessiven Bebilderungen von Prozessen der Entgrenzung, Verwesung, das Interesse an invasiven, ekelhaften, körper-und gestaltlosen Themen, verständlich. Mir kam einmal die Idee, das jenes, das H.P. Schrecken nannte, doch enger mit dem Ekel verwandt sein müsse. |
"Es war eine kolossale und grauenhafte Blasphemie, ein unsäglich verbotenes Ungeheuer, mit infernalisch glühenden roten Augen, das in seinen skeletthaften Krallen einen lebenden Menschen umklammert hielt, dessen Kopf es, wie ein Kind, das sich an einer Zuckerstange gütlich tut, abknabberte." (Pickman's Modell)
Die Queen würde sagen: "We were not amused". Aber 'horrified' sind wir Leser dabei auch nicht, eher angeekelt
und etwas enttäuscht, da man in der besagten Geschichte den Menschenfresser
schon seit zig Seiten vorausgeahnt hat.Thema dieser Seite soll es hier nicht weiter sein,
H.P.'s Prosa selbst darzulegen oder zu analysieren (die wichtigsten Titel sind genannt, ... lesen sie selbst),
vielmehr soll es um den seltsamen Eremiten selbst gehen, der, wie schon
eingangs erwähnt, Providence so gut wie nie verlies. Seine Grabinschrift
lautet sinnigerweise: "Here lies Providence". Lovecrafts Laufbahn als Autor von Schauergeschichten
war einzigartig, denn das wichtigste dabei ereignete sich erst zwei Jahre nach seinem Tode.
Es war die Veröffentlichung eines Sammelbandes seiner Erzählungen "The outsider and others" im
Jahre 1939. Bis zu diesem Zeitpunkt war Lovecraft als Schriftsteller unbekannt,
und es gab neben spoardischen Abdrücken in Zeitungen keinen verlegten
Text, mit dem er hätte Geld verdienen können.
L.wurde wiederentdeckt durch das Schaffen zweier junger Männer, die
ihn bewunderten, August Derleth und Donald Wandrei, die Gründer des
Arkham-House-Verlages. 1943 erschien "Beyond the wall of sleep", ein zweiter, wichtigerer Sammelband aus dem Nachlass. In den vierziger Jahren ereignete sich dann auch eine Art von Lovecraft-Manie, Sammler offerierten phantastische Summen, um an ein "Stück Lovecraft" zu gelangen. Vieles an dem Reiz, den er ausstrahlte, liegt einerseits in seiner geheimnisvollen, eremitenhaften Person begründet, vielmehr jedoch in einer Art von "mythischem" Regionalismus. Er war eine Art von phantastischem Patrioten, bevölkerte das profane Gebiet von Providence bis zum Atlantik hinab mit seinem Kosmos der extraterristrischen Spukgestalten. Dieses "Arkham"-Prinzip war der Nährboden, aus dem ein späterer Autor wie Stephen King ähnlich schöpfte. Das Grausen, dicht unter der lieblichen Landschaft, sozusagen. Hier erwuchsen die Zyklen des Azathoth- und Cthulhu-Mythos, kaum auszusprechen und kaum auseinander zu klamüsern, beeindruckend allemal. Eine weitere literarische (Zwangs-)Vorstellung Lovecrafts besteht darin, daß eine "Alte Rasse", einst zivilisatorisch überlegen, vor Äonen die Erde bevölkert haben muß, und nun, an abseitigen Orten versteckt, auf die Wiedereroberung des Planeten harrt, gewissermaßen in Lauerstellung. Einige Exponenten dieser Rasse lassen sich übrigens an den "Mountains of Madness" irgendwo in der Antarktis aufspüren, falls man als Polarfoscher Pech hat. Jene Erzählung stellt die Lovecraft'sche Fortsetzung des unbeendeten Poe-Romans "Narrative of Arthur Gordon Pym" dar. Nirgends werden die narrativen Gegensätze der beiden Autoren deutlicher. Bei Poe ein atemloser Parforceritt von einer Klaustrophobie zur nächsten, bei H.P. eine groteske Ekelphantasie über amorphe, außerirdische Killermonstren, die in labyrinthischen Gängen am Südpol hausen. Die Lovecraft-Interessierten finden sich in zwei Lagern: Adepten, die jenes, was Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts gemeinhin als "Pulp Fiction" abgetan wurde, tatsächlich als die Krönung des Grusel vergöttern, sowie aber auch Literaturwissenschaftler, die die Faszination an einem Riesenkosmos einer höchst eigentümlichen Fabulierkunst reizt. Eine Kunst, die so eigenartig virtuos an ihren eigenen Ansprüchen vorbeischießt. |