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VENTER
Sowohl: Ein Gang durch den Film
MORS ET GRAVITAS PETER GREENAWAY:


DER BAUCH DES ARCHITEKTEN

(England/Italien, 1987)
ARCHITECTI
Als auch: Ein kleiner Essay darüber

Neun Monate in Rom:

Eine Zugfahrt: Vorbei an einem Friedhof , Fliegen summen laut. Eine zierliche Frau und eine fettleibiger Mann lieben sich in einem Liegewagen des Zuges. Ankunft auf dem Bahnhof von Ventimiglia: Eine Geigenspieler läßt eine penetrante Melodie erschallen. Das Paar spricht. Spricht über Sex, Essen, Verzehr von Fleisch, über Architektur in Chicago und in Rom. Über Werden und Vergehen (die zentralen Themen werden plakativ aufgetischt).Stourely und Louisa Plötzlicher Sprung: Ansichten Roms. Die Kamera fliegt in der Perspektive eines Vogels am Phantheon vorbei: Wir hören Wim Mertens "Birds for the mind". Es wird Abend. Ein Diner am Pantheon: Abendessen für den amerikanischen Architekten Kracklite und seine Frau Louisa. Der schwergewichtige Stourley Kracklite soll in Rom eine Ausstellung über den unbekannten Architekten Etienne Louis Boullée leiten. Es ist Kracklites Geburtstag. Man schenkt ihm ausgerechnet das Grabmal Newtons als Geburtstagstorte mit Kerzenkranz. Bekanntlich entdeckte Newton die Schwerkraft, die auch Kracklite ("das flackernde Licht") mit dem eigenen Leib verkörpert. Kracklite redet. Louisa zerschneidet ein feuerrotes Band, einer Nabelschnur gleich. Kracklite zeigt Flavia, der Schwester des Mäzens der kommenden Ausstellung "seinen Glücksbringer": (Ausgerechnet) Ein Fest für eine Kugel die britische Ein-Pfund-Note mit dem Konterfei Newtons und der Apfelblüte als Hinweis auf seine Gesetze der Gravitation. Der jungen Gastgeber-Sohn Caspasian "bemüht" sich um Louisa, spottet über Kracklites Vermögen "aus den Schlachthöfen seines Schwiegervaters". Die anspielungsreiche Verwandschaft der immer wiederkehrende Themen Fleisch, Schwere, Blut, Sex, Fruchtbarkeit, Tod  drängt sich hier erneut auf. Capasian Specklers ("der Beflecker") Schwester Flavia bedauert Louisa Kracklite, da sie bereits seit sieben Jahren mit dem "Fleischesmann"  verheiratet ist. Am Brunnen ein Applaus an die Architektur - die Ein-Pfund-Note verbrennt  in Boullées Newton-Grabmal aus Zuckerguß . Eine bedeutungsschwangere Anordnung. Später: In Kracklites römischen Wohnung: Streit des Ehepaars Kracklite: Er scheint verärgert über Caspasians Eitelkeit, Dreistigkeit und seinen finanziellen Einfluß. Louisa sagt, Kracklite habe nur sechseinhalb Gebäude gebaut und brauche neun Monate für eine Ausstellung über einen Architekten, der auch fast nichts gebaut habe, und daß 180 Jahre nach dessen Tod. Kracklite hat stechende Bauchschmerzen, Louisa bemerkt spöttisch: "Jeder hier in Rom spricht vom Tod". Später, im Victor Emanuel -Ausstellungsgebäude: Ein Rundblick. Der Finanzier Caspetti schlägt eine Piranesi-Ausstellung in den USA vor. Es geschehen Empfang und Gespräche: Kracklite kann sich nicht mit Caspasians blasphemischer Anspielung abfinden, daß Joseph 40 und die Mutter Gottes Maria 14 Jahre alt gewesen seien, der gleiche Altersunterschied wie bei den Kracklites. Caspasian flirtet mit Louisa, diese spricht über ihre "Fehlgeburten", ein alter Mann setzt sich hinzu und fällt um. Caspasian: "So wird für Ausstellungen Publicity gemacht". Der Arzt Treterio stellt sich als Experte für Krankheiten der Antike vor. Wieder Ansichten Roms, diesmal bei Tage. Tischgespräch. Auf dem Tisch füllen Feigen ein Kolosseums-Modell: Es geht wieder über Boullée, später über Kaiser Augustus, Caspasian erzählt aufdringlich anschaulich von der Vergiftung Augustus durch seine Frau. Dieses ist schlichtweg nicht wahr (Augustus starb friedlich als alter Mann). Ein Mann wie eine giftige FruchtKracklite verläßt den Tisch, muß sich übergeben, trifft dann den umgefallenen, alten Mann beim Umziehen und erfährt, daß Caspasia den Alten für seinen Auftritt bezahlt. Eine Ansichtskarte: Das Augustusdenkmal, Kracklite stiehlt Karte und verabschiedet sich von Louisa. Am Fotokopierer im Ausstellungsraum: Kracklite vergrößert den Bauch des Augustus und hält ihn vor seinen eigenen, entblößten. Kracklite beim Augustus-Grabmal, fragt Geigenspieler nach Augustus: "Aber er ist nicht zu Hause". Er wird beobachtet, immer wieder. Caspasians Schwester Flavia fotographiert ihn heimlich. Zurück in Kracklites Wohnraum: Er versucht Louisa zu zwingen, Feigen zu essen, ist überzeugt, sie wolle ihn vergiften. Sie geht - für immer - , empfiehlt ihm einen Arztbesuch; Kracklite zeichnet seine (unerträglichen) Schmerzen auf Kracklite ist nicht gut gestellt Augustus' Bauch-Fotokopie ein. Es ist verwunderlich, daß die Lüge über die Feigenvergiftung Kracklite nicht auffiel. Jedoch entdeckt er im "heroischen Bauch" des Augustus eine Parallele zu seinem Kampf. Er fängt an, imaginäre Briefe an den Architekten Boullee zu verfassen. In seiner Wohnung liegt "zufällig" eine Zeitschrift: Ein Bericht mit zwei Fotos: Links er, rechts Caspasian und Louisa. Die Konstellationen kristallisieren sich heraus. Kracklite schreibt Boullée über sein Mißtrauen zu seiner Frau eine Ansichtskarte des Augustus- Mausoleum, später: Kracklite in einer dunklen Arztpraxis. Der Arzt: "Kein Gift, nur zu viel und zu ungesundes Essen, zu viel Fleisch, vielleicht auch zu großes Geltungsbedürfnis",er  verschreibt Pillen. Kamera-Panorama über seinen Arbeitstisch - Kracklites Wohnraum am Tage: Caspasian und Louisa finden Kracklites Bauchzeichnungen, Louisa bemängelt,  Kracklite sei besessen von seinem Bauch, vielleicht glaube er, ein Baby zu bekommen.  Das Mahl am Pantheon lateinische Vokabel "gravitas" bedeutet sowohl Schwere wie auch Schwangerschaft. Beide flirten sehr vertraut - Sie seit 10 Wochen in Italien - er möchte sie zur Geliebten, errät, daß sie schwanger ist. Louisa ist enttäuscht, daß es Kracklite nicht bemerkt hat. Wieder im Victor Emanuel. Kracklite schreibt Boullée (im Off): "Mittwoch, den 31. Juli..." Ein Gespräch mit Caspasians Vertrautem Frederico: "Sind sie prüde?" fragt man ihn ohne Scham. Kracklite: "Fragen Sie meine Frau" .Frederico zu Speckler: "Bitten Sie ihren Sohn, seine Frau zu fragen", Kracklite schlägt Federico auf die Nase. Die Bäder der Villa Hadriana: Ein Gespräch über Kaiser Hadrian, die Bäder, den streunenden Hund - Kracklite hat im Unterschied zu allen anderen Mitgefühl für einen kranken Hund. Kracklite schreibt Boullée auf der Ansichtskarte der Bäder über seine Magenbeschwerden: "Kaiser Hadrian starb an geplatztem Magengeschwür", muß sich wieder und wieder übergeben, während er die lachenden Caspasian und Louisa sieht. Wieder im Wohnraum: Kracklite in der Badewanne, bei feigengrünem Licht, spekuliert über seinen Freitod. Kracklite wähnt sich vergiftet Louisa im dünnen Seidenkleid rasiert sich die Achseln lasziv, und stellt naive Fragen. Dann geht sie  zu Caspasian und Flavia, bemerkt spöttisch, Kracklite sei jetzt Vegetarier, erklärt, sie sei schwanger. Dies sei im Zug nach Rom geschehen. Kracklite erfreut. Die Zeugung erfolgte just in dem Moment, wo der Zug den Friedhof passierte. Werden und Vergehen so eng beieinander.
Morgens auf der menschenleeren Piazza St.Pietro: Kracklite schreibt eine erneute Ansichtkarte an Boullée: "Mittwoch, den 7. August" über seine kommende Vaterschaft und seine Bauchschmerzen, wirft sie gegen Zahlung eines Bestechungsgeldes in den Briefkasten, von Wim Mertens Caspasian, Flavia und Frederico beobachtet, Caspasian flüstert über Louisa: "Sie denkt nicht, sie sei eine Amerikanerin" Im Victor Emanuele, helle Modelle im Dunkeln: Kracklite wieder allein am Arbeitstisch. Er krümmt sich unter Bauchschmerzen, auf dem Tisch liegen drei Gyroskope über eine Zeichnung des Kenotaphen desBoullée. Wir hören Mertens "Struggle for pleasure", die Musik, die stets das immer erneute Aufbäumen gegen die korrupte, römische Seilschaft begleitet. Nächtliches Pantheon Toilette: Caspasian übergibt Frederico unterschlagene 20 Millionen Lire in Dollar, offiziell "Bewirtungskosten", Frederico zu Kracklite: "Geld für Modelle", übergibt ihm ein angebliches Portrait Boullées namens "Architecte Visionnaire 1782", spekuliert mit hinzugekommener Flavia ganz kalt über dessen Todesursache: "Bauchspeicheldrüsenkrebs". Caspasian hat's geschafft Dem Betrachter wird klar, was bei den Kracklites für zwei "Leibesfrüchte" wachsen. Arbeitsraum: Speckler empfiehlt Kracklite, wegen seiner Erkrankung die Arbeit an ihn selbst abzugeben, Kracklite erzürnt, vergrößert am Kopierer den Bauch des "Architecte Visionnaire" in grünem Licht, und geht erst frühmorgens die Treppe hinunter und aus dem Haus.  Treppenhaus zum Wohnraum: Kracklite sieht Caspasian und Louisa übermütig verspielt beim Geschlechtsakt durchs Schlüsselloch, sieht das Kenotaphen-Modell , eine Penis-Plastik. Kracklites Stuhl bricht unter seinem Gewicht, ein Junge im weißen Laken,  als Messias-Gestalt stilisiert, schenkt ihm seine Orange, er ihm das Gyroskop.  
Wieder Ansichtskarten, Kracklite schreibt Boullée: "Donnerstag, den 28. August", ißt Orange, begegnet bei den Statuen im Forum Romanum einem jungen Mann, der den Statuen die Nasen abschlägt (Eine symbolische Kastration ??), Fliegen summen wie zu Beginn am Friedhof, Kracklite  fragt Boullée (im Off) nach den Baucherkrankungen seiner Zeit. Im Dampfbad, Gespräch über Boullées Krankheiten und das Fresko eines fallenden Mannes: Kracklite träumt von Treppen, erhält eine Empfehlung für einen Magenspezialist, besonders für Priestermägen, denn diese seien 30 Fuß lang, also drei Fuß länger als andere. Die Schreibmaschine "Wie unerforschlich sind die Entscheidungen des Herrn, wie unerforschlich seine Wege", bemerkt blasphemisch ein Badegast. Kracklite im Krankenhaus, mißt die Schlauchlänge: Tatsächlich 30 Fuß ??. Er schreibt eine Karte an Boullée: "Freitag, den 10. Januar 1986", betreffs der Unterlegenheit gegenüber Ärzten. Der Arzt erklärt die Darmspiegelung. Der Schlauch ist, wenn man mitzählt, tatsächlich 30 Fuß lang. Er ist so rot wie Blut und von derselben Farbe des Bandes, das anfangs am Pantheon zerschnitten wurde. Der Tod trägt Weiß
Caspasian und Louisa im Bett:  Er würde gerne sein Kind anstelle Kracklites in ihrem Bauch wissen. Sie: " ... sie wären dann beide von Architekten". Er, zynisch: "Meins würde nicht nach seinem Tod zur Welt kommen". Kracklite, so Caspasian,  werde den nächsten Sommer nicht erleben. Kracklite am Neptuns-Brunnen der Piazza Navona: Flavia fragt nach seinen "Bauchphotographien": "Neue erogene Zonen?". Sex und Tod !!.  Ansichtskarten, am anderen Brunnen. Flavia bietet ihm mit eindeutigem Blick an, seinen Film zu entwickeln, während er bei ihr dusche, "Und dann werden wir ja sehen, wer besser entwickelt aus dem Bad kommt". Flavias Wohnraum und Atelier: Auf dem Glastisch im Hintergrund drei abgeschlagene männliche Statuenköpfe: Flavia fotographiert Kracklite als bärtigen Andrea Doria in der Gestalt Neptuns/Poseidons, beide im Bademantel. Während Flavia die Fotos entwickelt, Kracklite wirft einen Blick aus dem Fenster, sieht Mussolinis EUR, und findet im Nebenraum Fotos (Kamera-Panorama) von sich und Rom, sich übergebend, von Speckler und Louisa glücklich lächelnd. Flavia öffnet ihren Bademantel und zieht ihn an rotem Filmband zu sich ins Fenster hinter eine weißen Vorhang und umarmt ihn. Das rote Band an der Wand durchmißt alle Stadien seines Aufenthaltes in Rom, durchquert die photographischen Schnappschüsse, die Flavia anfertigte. Sie ist sprichtwörtlich der bebilderte Tod, der langsam in ihm gewachsen ist, sich entwickelt hat. Kracklite und Flavia nackt auf dem Sofa, Caspasian überrascht beide, spottend: "Ihr Kind, Kracklite, ist sozusagen das perfekte Verhütungsmittel" Caspasian will die Ausstellung von Kracklite gegen seinen Willen übernehmen.Foro Italico, Statuen-Park: Statuen werden von Graffiti gereinigt, Caspasian zu Frederico: "Wir haben es geschafft, Kracklite ist fertig."
Wieder Vittorio Emanuele, am Fotokopierer: Kracklite vergrößert, ausgehend von Flavias Fotos, seinen Bauch, Speckler zu Kracklite: Die Bank sperre das Geld, wohl wegen Kracklites Krankheit und da die Ausstellung  zu akademisch sei. Die Bank wolle Caspasian die Leitung der Ausstellung übergeben, die Eröffnung sei in 12 Tagen. Frederico enthüllt interessanterweise, Caspasian verwende die unterschlagenen Gelder für die Restaurierung von Mussolinis EUR im Foro Italico - Speckler wußte dies. Kracklite ist totkrank, geht fort. Die Kamera schwenkt über fotokopierte Bäuche, Wohnraum Kracklites: Kracklite betrachtet die sorgfältig auf dem ganzen Fußboden ausgebreiteten Fotokopien seiner Bauchsammlung unter verschiedenen Bedingungen: Augustus, angebliches Boullée-Portrait, Andrea Doria, Poseidon, Neptun. Louisa kommt ein letztes Mal hinzu, packt ihre Sachen. Kracklite plant, eine Hypothek auf ihr Haus aufnehmen, sie weiß von seinem Besuch bei Flavia, streitet "um mein Kind", übergibt ihm enttäuscht stolz Flavias Aktfotos ihres schwangeren Bauchs. Kracklite ist entrüstet: Es sei obszön, "sich so zur Schau zu stellen", Ausstellungseröffnung in 12 Tagen, sie sorgt sich um das Kind. Er trägt Weiß seit er bei Flavia weilte, sie kommt in ganz in Rot. (Wasserplätschern am Brunnen) Treppe zum Innenhof des Krankenhauses: Ein Bote erklärt Kracklite, Caspasian habe die Ausstellung entgültig übernommen und geht. Kracklite richtet wieder Worte an Boullée: "Montag, den 10. Juni" und lädt ihn zur Ausstellungseröffnung ein. Ein Arzt berichtet vom Sterben großer Architekten und Kaiser: Titus, Hadrian, Nero, Galba. Ihre Tode waren entweder friedlich oder schreiend. Verlassen Er fragt Kracklite, wie er sich seinen Tod vorstelle, ihn sich wünsche. Kracklite: " ... mit 72 Jahren wie Boullée, um vier Uhr nachmittags in der Nähe Roms - seine zweite Frau pflücke Orangenblüten. Arzt: "Mit zweiter Frau, während diese Orangenblüten pflücke?"; "Ein Tod im späten Frühling !" Abends, am Pantheon, wo alles begann: Ein betrunkener Kracklite begegnet wieder dem Geigenspieler und belästigt Restaurant-Gäste, entblößt seinen Bauch: "Er beißt sie nicht, nur mich. Jesus wäre auch an Magengeschwür gestorben, hättet ihr ihn nicht vorher gekreuzigt!" Am Brunnen applaudiert er der Architektur des Pantheons (wie Szene Nummer drei) und bricht unter Schmerzen zwischen zwei Polizisten zusammen. Innenhof der Polizei: Kracklite begegnet wieder dem "Nasenabschlager", dieser vertieft in seine Nasensammlung. Er berührt Kracklites Nase,schenkt ihm eine aus der Sammlung und schneuzt sich. Kracklite gibt seine Personalien an, steht vor der Bauchskulptur eines Riesen, zwischen einem erhobenen Finger und dem Kopf des Kaiser Konstantin. Wird er doch "in diesem Zeichen siegen" wie damals Konstantin ? Ein Tribunal  Das Finale: Im Vittorio Emanuele: Caspasian und die hochschwangere Louisa steigen vor dem seitlichen Besuchereingang aus dem Auto. Dieses ist von der selben, kranken Farbe Grün wie auch die Feigen. Innen fragt die erschöpfte Louisa nach Kracklite; draußen steht Stourley am Auto, zögert, ins Gebäude zu gehen, blickt zum obersten Fenster hoch, besticht schließlich den Museumswächter, um den Seiteneingang benutzen zu können, und erhält seine Ein-Pfund-Note zurück (eine zweite??).Louisa steht bereit, die Ausstellung zu eröffnen : Caspasian und Frederico spotten mit geteiltem Satz : "Ohne die Peinlichkeit - ihres tölpelhaften Mannes". Kracklite wandert durch die Ausstellung, steht schließlich auf der Grundkarte Roms vor dem Pantheon. Caspasian hält eine Eröffnungsansprache. Kracklite steht über den anderen und in deren Rücken auf der Empore vor dem höchsten Fenster des Gebäudes - Caspasian setzt seine Rede fort, Stourley Kracklite legt seinen Ehering ab und behält die Ein-Pfund-Note in der Hand; Louisa eröffnet die Ausstellung mit wenigen Worten, schneidet das Band entzwei.Sie bricht zusammen, Kracklite tritt mit dem Rücken in den Fensterrahmen und läßt sich mit ausgestreckten Armen wie ein Gekreuzigter fallen. Das Baby schreit seinen ersten Schrei. Mechanisch exakt fallen, wie lange schon angekündigt, der Tod des "Satyrs" Kracklite und die Geburt seines Kindes im selben Augenblick zusammen.  Kracklite liegt tot auf Caspasians grünem Autodach (ausgerechnet), dahinter eine Pyramide mit Boullées Namen , sowie Geburts- und Todesjahr. In Kracklites Hand die Ein-Pfund-Note,  die schließlich vom Wind fortgenommen wird. Eine weite Kamerafahrt führt zum Schlußbild:  Der Junge, dem wir schon in der Stilisierung als Christuskind begegnet sind,  mit seinem Gyroskop-Kreisel  auf einer Bank. Wenige Umdrehungen wehrt sich noch der Kreisel gegen die übermächtige Schwerkraft, dann senkt er sich zu Boden. Ganz so wie der, der ihn geschenkt hat. 

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>>> Einige wenige Gedanken >>>

Es soll hier nicht meine Aufgabe sein, eine Anleitung zur Enträtselung des Kunstwerks "Belly" zu stellen, vielmehr möchte ich ein paar Denkanregungen geben: Erstens, den Film per Video konsumieren - er kommt zwar im Kino optisch schöner, jedoch hat man beim Video immer die Möglichkeit, Standbilder zu beschauen, und das ist hier gaaanz wichtig. Der "Belly" funktioniert, wie viele der Greenaway'schen Filme über seine stark manierierten Lang-Einstellungen, in denen sich Symbole dermaßen aufdrängen, daß man sich schon Gedanken machen sollte, was sie wohl bedeuten wollen. Zuächst kommt es zu der Zeugung des Kindes am Filmstart nicht ohne Grund gerade just dort, wo der Zug einen Friedhof streift. Es braucht neun römische Monate, bis das Kind die Welt betritt, und ebensolche neun Monate, bis der Architekt aus dem Leben geht. Er stirbt ausgerechnet auf einem grünen Autodach, grün sind auch die Feigen, von denen er sich vergiftet wähnt, grün scheint das Kopiergerät, das den Bauch multipliziert, in dem eine tödliche Frucht in neun Monaten reift. In grünem Wasser wird ihm zum ersten Mal sein Tod bewußt. Rot dominiert stets in den Sphären der Begierde, des Fleisches und der Lust. Rot herrscht, wenn das fleischliche Architekten-Wesen aus der neuen Welt in Kontrast gestellt wird mit der antiken. Diese trägt in der ersten Szenen "grüne" Konnotationen, als Kracklite die erlogene Geschichte der Vergiftung Augustus' nahegebracht wird, die er sich als "Idee fixe" einverleibt, auch wenn sie nicht ganz korrekt ist: Tatsächlich war es dessen Sohn Claudius, der diesem Schicksal anheimfiel. Vielleicht ein flacher Greenaway-Witz, wir wissen es nicht. Schwarz trägt Kracklite zu Beginn, es scheint da eine Farbe des Neuanfangs und des Bestrebens zu sein, Schwarz dominiert später in der Figur der Flavia, deren Bedeutung als "Begleiter Tod" sich aufdrängt. Sie dokumentiert still das perfide Treiben der Unterminierung der hohen Ziele des schwergewichtigen Amerikaners. Dies bringt dann auch gleich einen hochwichtigen Bedeutungsstrang mit sich, der sich um die Symbolik der Kugel entwickelt. Unser Held Stourley Kracklite (Brian Dehenny) Im Film ist das Begriffsfeld Bauch - Kugel - Kuppel - Boullee - Schwere - Fleisch - Übergewicht stets dem Zusammenhang von hohen Zielen und andauerndem Scheitern zugeordnet. Sinnbildlich ist der Architekt einer, der baulich zum Himmel strebt, jedoch vor der Vollendung seiner Kunst scheitern muß, ohne sie vollenden zu können. Die Schwerkraft hat ihn besiegt. Hierbei ist man ganz an das biblische Bild des Turmbaus zu Babel erinnert. Der Architekt als Himmelsstürmer wird an seine Fleischlichkeit erinnert, und damit an seine Vergänglichkeit. Architektur als melancholische Kunst, eindringlich immer wieder verkörpert in den runden Symbolen der Kugel, der Kuppel und des Bauches. Im innersten Zentrum seines Körpers reift unbesiegbar das Ende seiner Künste: Nämlich das Ende seines Fleisches. Er ist totkrank. Rom ist nicht ohne Grund der richtige Ort, um Architektur so zu versinnbildlichen. Alle Bauten, die wieder und wieder in manieristischer Strenge fotographiert sind, entstanden in einer Zeit, als Rom innenpolitisch schon längst so krank war wie der Bauch des Architekten Kracklite. In einer Zeit der krebsgeschwürartigen Ausdehnung, kurz vor dem letztlichen Zerfall. Ob Kaiser Hadrian wirklich an einem durchbrochenen Magenkrebs starb, sei dahingestellt; es ist nur ein und dasselbe Bild in einer Variation. Mit der Farbe Weiß wird sehr frei umgegangen: Schlechthin die Farbe der Unschuld, wird sie zunächst von Louisa getragen, während Kracklite Schwarz träagt, als er die Austellung ankündigt. Sinnbildlich wird dort ein rotes Band durchtrennt - ein erster Schnitt in des Architekten Fleisch ? Die Gravitas wird sein melancholischer Tod sein, sonst bekäme er keine Newton'sche Geburtstagstorte geschenkt. Kracklite trägt Weiß, als seine Vernichtung und die seines Lebenswerkes nicht mehr abzuwenden sind. In Weiß stürzt er sich in Märtyrerpose aus dem Fenster und landet mitten im giftigen Grün des Auodaches seines duchtriebendsten Feindes Caspasian Speckler. Auch dieser Name spricht für sich und bedeutet "Beflecker". Speckler macht seinem sprechenden Namen nun auch alle Ehre. Zu dieser Zeit trägt Flavia Schwarz, jedoch rot - logisch - als sie versucht, geschlechtlich mit dem Todgeweihten zu verkehren. Alles läuft geplant und unabwendbar.
Dieses ist Greenaway Manie. Es ist ein natü:rliches Gesetz, daß neun Monate zur menschlichen Schwangerschaft gehören, und hier kann sich Kracklite der Kehrseite dieses maschinenhaften Plans nicht entziehen: Nach dieser Zeitspanne wird er in dem Moment sterben, wo sein Kind den ersten Schrei ausstößt. Wie beim Mord nach Zahlen in "Drowning by numbers" wird auch hier unerbittlich verfahren: Müssen dort die unseligen Ehemänner sterben, wie es die numerische Konstellation gerade will, so ist es hier die melancholische Übermacht des Fleisches über den Plan des Künstlers. Die profanen Angriffe des "Irdischen" auf die hochstrebenden Pläne sind letztlich nicht zu parieren. Greenaway hat seine boshafte Freude an diesem fürchterlichen Niedergang. Es gibt vielleicht keinen weiteren Protagonisten in den Filmen Greenaways, bei dem wir so stark fühlen können, daß in seiner Kunst die Darsteller tatsächlich nur Konnotationsträger sind. Man darf nicht mitleiden. Kracklite ist die melancholische Satyrsfigur, nicht eben eine Person. Letztendlich hat Stourley Kracklite die vielleicht authentischste Ausstellung uüber seinen geliebten Architekten Boullee geleistet, indem er scheitern mußte und eben jenes nicht zu realisieren vermochte, was er geplant hatte. Dies ist im vollen Sinne der melancholischen Kunst der Architektur: Der Kampf gegen die Gravitas und das heroische Scheitern. Es gibt noch mehr zu sagen, an vielen Stellen vielleicht Bände über wenige Szenen. Hier möchte ich jedoch schließen.

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